Ein bewegtes Leben
ohne Bewegung
Die    etwas andere Homepage
von dem etwas anderen Querschnitt
Am 05. Dezember 2006 ist Frank verstorben.

Wir sind froh, dass wir in ihm einen außergewöhnlichen Freund haben durften und hoffen, dass diese Website vielen Menschen (neuen) Mut zum Leben gibt.

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Meine Freunde Ich bin sehr stolz und dankbar für meinen Bekanntenkreis, ohne meine Freunde/innen und besonders meine Familie ist für mich ein Leben im Rollstuhl nicht vorstellbar. Echte Freundschaft oder wahre Liebe zeigt sich erst dann, wenn die Freunde/innen nach einem solchen Schicksalsschlag noch zu einem halten, mit meinen Freunden/innen habe ich nur gute Erfahrungen gemacht. Total überwältigt war ich von der Hilfsbereitschaft meiner Freunde/innen, Nachbarn, Firmen und sogar von Fremden, als wir anfingen im Mai 1989 ein behindertengerechtes Haus an das vorhandene Elternhaus anzubauen. Ohne diese freiwilligen Hilfen von so vielen Personen, wäre der Anbau nicht möglich gewesen. Auch wenn ich heute zu einigen Personen nicht mehr soviel Kontakt (z.B. Uwe) habe, werde ich nie vergessen, was sie für mich getan haben. Durch einen glücklichen Zufall lernte ich 1993 einige neue Freunde kennen und wir bildeten die berüchtigte "Teichcrew", was ich mit den tollen Jungens alles erlebt habe ist wirklich fast unglaublich. Apropos "Jungens": so pflege ich auch meine Zivis zu bezeichnen, mittlerweile habe ich ca. 16 Zivis verschlissen, mit vielen habe ich noch regelmäßig Kontakt und uns verbindet ein freundschaftliches Verhältnis, jedem einzelnen von ihnen habe ich viel zu verdanken. Ganz besonders möchte ich mich noch bei meinem Zivi Christoph bedanken, denn ohne seine Mithilfe wäre diese Homepage nicht möglich gewesen. Vielfach sind es Kleinigkeiten, die das Leben (noch) lebenswert machen! Das Lächeln eines Kindes, ein Gespräch mit einem Freund/in, eine Umarmung, ein Kinobesuch, ein leckeres Essen und vieles mehr. Alles was vor meinem Unfall selbstverständlich war, ist heute etwas Besonderes und bekommt dadurch einen viel höheren Stellenwert. Ohne meine Freunde wären die meisten Aktivitäten und Erlebnisse nicht möglich gewesen, am allermeisten habe ich aber meiner Familie zu verdanken und ganz besonders meiner Mutter. Was sind echte Freunde? z.B. welche, die sich köstlich amüsieren wenn sich auf einem Polterabend eine übergewichtige angetrunkene Frau neben mich setzt und mir ein Kotelett an die Backe labert, sie meine Hand streichelt und immer wieder betont, das hätte nichts mit Mitleid oder meiner Behinderung zu tun. Nachdem sich meine Freunde alle diskret und amüsierend vom Tisch entfernt hatten, war ich der lästigen Matschkuh hoffnungslos ausgeliefert. Nach ca. 1 Std. haben meine flehenden Blicke mich zu erlösen dann doch ihre Wirkung erzielt und ich wurde endlich aus dieser misslichen Lage befreit. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Mein 35. Geburtstag wurde groß gefeiert (ca. 50 Gäste) unter dem Motto: Die wilden siebziger Jahre. Da haben sich meine Freunde ein Überraschungsgeschenk der besonderen Art einfallen lassen, was mir im ersten Moment die Sprache verschlagen hat (das kommt sonst nur sehr selten vor) und bei einem Wettbewerb für ein blödes Gesicht hätte ich bestimmt sehr gut abgeschnitten. Mir wurden die Augen mit einer sehr geschmackvollen undurchsichtigen Brille verdeckt, heiße Musik ertönte aus den Boxen, ein leichtes Raunen und Gekicher ging durch den Saal und als ich wieder sehen konnte, tanzte ein scharfes Luder in schwarzen Lack um mich herum Meine ersten Gedanken waren: "Lach ich oder weine ich, erst mal tief Luft holen, oh nein, mein Magen macht sich bemerkbar, warum habe ich gerade noch auf die schnelle ein paar Feiglinge getrunken. Auf keinem Fall kann ich dem Mädel hier vor die Füße kotzen, na ja das geschieht mir mit meiner großen Klappe ganz recht, den Wunsch nach einem heißen Luder hab ich bei meinen Freunden gelegentlich schon erwähnt, ooh ooh, warum hatte ich mir nur kein Buch gewünscht". Es dauerte zwei Minuten dann hatte ich wieder alles im Griff und ich konnte die vor mir für mich tanzende Schönheit aus vollen Zügen genießen. Nach weiteren 5 Minuten war die anfängliche Befangenheit ganz abgelegt und so langsam erwachte mein "kleiner Mann " aus seinem Schlaf und er registrierte, dass das Mädel nur für uns tanzte. Als mehr und mehr ihres Körpers sichtbar wurde und Sie mir immer näher kam, meine Lippen gewisse Partien ihres Körpers berühren durften und ihr süßliches Parfüm mich völlig willenlos machten, hätte ich sie am liebsten mit "Rollisex" bekannt gemacht, aber die Gäste störten, deshalb flüsterte ich leise: Scotti, Scotti, bitte beam die Meute weg, ich will das Mädel für mich allein. Leider klappt das nur im Fernsehen. Nachdem das Luder ihre ganze Kleidung und ich meine ganze Hemmungen abgelegt hatten wurde die schöne Darbietung mit einem Küßchen beendet. Alle Gäste, das Mädel und besonders ich waren mit dieser tollen Vorstellung sehr zufrieden, So fing alles an: Die ersten Jahre nach meinem Unfall habe ich immer probiert, über Karneval einen Termin in der Reha-Klinik zu bekommen, damit ich von dem närrischen Treiben so wenig wie möglich mit bekam. Wenn man nicht mehr über Tisch und Bänke springen kann so wie früher, dann hat Karneval keinen Wert mehr für mich, dachte ich zu diesem Zeitpunkt. Doch dann, wie der Zufall es manchmal so will, kam alles ganz anders. Bei einem abendlichen Besuch von meiner Freundin Anja (Rollifahrerin) erwähnte sie so ganz nebenbei, dass sie sehr wahrscheinlich dieses Jahr in ihrem Wohnort im Karnevalzug mitgehen wolle. Dieser Gedanke legte einen Schalter in meinem Gehirn um, sofort war ich Feuer und Flamme das gleiche bei uns in Ründeroth auf die Beine stellen zu wollen. Noch am gleichen Abend habe ich mit mehreren Freunden telefoniert und die Resonanz war durchweg positiv. Ein sehr aktuelles und passendes Motto war auch sehr schnell gefunden, nämlich unser Bahnhof im Ort war recht behindertenunfreundlich neu gestaltet worden, um an die Gleise zu gelangen, müssen erstmal ca. 80 Stufen bewältigt werden. So wurde 1993 ganz zufällig ein schon abgeschriebenes Hobby von mir wieder aktiviert, was mir (und meinen Freunden) sehr viel Freude bereitet hat und mein Leben maßgeblich positiv veränderte. Nun wurde Karneval wieder ein fester Bestandteil in meinem Leben, bis 1999 war ich im Vorstand des Karnevalvereins als Kassierer tätig und auf dem Abschlussabend jeder Session halte ich eine Büttenrede (vielleicht bald hier zum downloaden). Es ist jedes Jahr immer wieder von neuem ein absolutes Highlight im Karnevalzug mitzugehen. Viele können das nicht verstehen, doch diejenigen von euch, die mit dem Herz so richtig bei der Sache sind wissen was das für ein geiles Gefühl ist: Dieses Jahr (2003) hatten wir unser 10 jähriges Jubiläum, ich denke die nachfolgenden Bilder überzeugen euch, wie viel Spaß der Karneval uns und den Jecken an den Straßen bereitet. Das bin ich Vor dem 19.7.1988 lief bei mir alles rund, doch es sollte noch runder werden, vier statt zwei Räder sollten ab jetzt mein Leben bestimmen. Beruflich war ich auf der Überholspur, Privat schwebte ich auf Wolke 7, mein Leben war ein wie ein schöner Traum, doch binnen einiger Sekunden wurde daraus ein bitterer Albtraum. Nach einem Motorradunfall bin ich ab dem Hals inkomplett gelähmt, d.h. ich kann weder Arme noch Beine bewegen, habe aber teilweise noch Gefühl am ganzen Körper und kann auch bewusst mit meinen Zehen wackeln, oder etwas Muskulatur in den Armen und Beinen anspannen, ohne damit eine Funktion ausüben zu können. Kurzerhand wurde meine 600er Enduro Honda XLM gegen einen Barmer-Shopper der Marke Sopur eingetauscht. Ich war zwar derjenige, der vom Querschnitt betroffen war, aber meine Familie, meine damalige Freundin und meine zahlreichen Freunde waren ihrerseits auch von meinem Schicksal betroffen. Mir war sofort klar, dass sich alles ändern würde, doch nicht nur für mich, besonders auch für meine Familie. Mir ist soviel positives widerfahren von Bekannten, Nachbarn, meinen Freunden, von Fremden, meinem damaligen Arbeitgeber (Fa. Lukas Erzett GmbH & Co. KG), dem Caritasverband in Gummersbach und ganz besonders von meinen Partnerinnen und meiner Familie. Die netten Therapeuten, Ärzte und das Pflegepersonal in der Bergmannsheil Klinik in Bochum haben während meiner einjährigen Reha auch viel dazu beigetragen, meine neue Situation zu meistern. Das gleiche gilt für die Ärzte, Therapeuten und das Pflegepersonal in der Werner Wicker Klinik in Bad Wildungen, wo ich mich jährlich einem urologischen Check unterziehe, hier wird mit viel Verständnis auf meine Bedürfnisse eingegangen. All diese Begegnungen und die ehrliche Anteilnahme (kein Mitleid) haben mir die Kraft und den Mut gegeben meine neue schwierige Situation anzunehmen und zu akzeptieren. Die Frage: "Warum ich, warum soviel Pech?" habe ich mir nie gestellt, meine Worte waren: "Glück gehabt, wäre die Halswirbelfraktur nur 1 cm höher gewesen, ich hätte beatmet werden müssen, ein weiterer cm hätte Genickbruch bedeutet". Lachen ist die beste Therapie, trotz meiner Behinderung habe ich dank meines Umfelds viel zu Lachen gehabt und die tollsten Dinge erlebt. Kurz vor meinem Unfall hat in unmittelbarer Nähe eine Schwester ihrem ab dem Hals gelähmten Bruder auf dessen Wunsch Sterbehilfe geleistet, mein erster Gedanke war, so könnte ich auch nicht leben, was ich mit meiner Mutter, die vollstes Verständnis für eine solche Entscheidung hatte, diskutierte. Einige Wochen später befand ich mich unerwartet in der gleichen Situation und keine Suizidgedanken waren vorhanden, vielmehr hing ich noch an meinem "bisschen Leben". Es war nicht mein Ende, sondern ein neuer Anfang, mein so genanntes "zweites Leben". Die letzten fast 15 Jahre sind nicht spurlos an mir vorüber gegangen, meinen Zenit habe ich längst überschritten, häufige Rückenschmerzen lassen viele Aktivitäten nicht mehr zu und hindern mich daran meinen Hobbys nachzugehen bzw. auszuführen. Mittlerweile beschränkt sich die große weite Welt immer öfters auf die 30 qm von meinem Schlaf- und Arbeitszimmer. Am 3.10. 2001 wäre beinahe mein Leben plötzlich und unerwartet nach einem heftigen Kreislaufkollaps vorbei gewesen. Als der Notarzt eintraf, war ich schon mächtig blau, dank meiner Freundin die mich beatmet hat, bin ich dem Teufel soeben noch von der Schüppe gesprungen. Daher lebt euer Leben solange es noch möglich ist, denn man weiß nie was Morgen sein wird. Das Glück ist oft so greifbar nahe, packt zu und wenn ihr nicht packen könnt, dann beißt zu (aber nicht zu feste) es ist alles möglich, ich spreche aus eigener Erfahrung. Vielleicht macht diese Homepage anderen Gleichgesinnten etwas Mut, besonders "Frischverletzten", die sich ein Leben im Rollstuhl noch nicht vorstellen können. Sollte nur ein Betroffener durch diese Zeilen, eine positivere Einstellung zum Leben bekommen, dann hat sich die viele Arbeit gelohnt. Im Laufe der Zeit habe ich viele "Rollis" kennengelernt und sogar ich war oftmals verblüfft welche Leistungen als hoher Querschnitt noch möglich sind, z.B. mein Freund Jörg beendete sein Abitur, studierte Jura und führt heute ein geregeltes Arbeitsleben. Seinem Hobby Enduros und Motocross ist er bis heute treu geblieben, er organisiert unter anderem Oldtimerrennen. Schaut euch auch mal seine Homepage an! Andere verdienen als Mundmaler ihr Geld und stellen weltweit aus, usw. Ein weiteres Anliegen ist es mir, Berührungsängste und Hemmschwellen gegenüber Behinderten (primär Rollstuhlfahrern) abzubauen; den Querschnitt transparenter zu machen. Was heißt es, querschnittgelähmt zu sein? Seit einigen Jahren halte ich in verschiedenen Schulen in unserem Kreis kleine Vorträge über das Leben im Rollstuhl. Ganz bewusst spreche ich dort gewisse Tabuthemen an, was den Querschnitt so "unattraktiv" macht, Blasen-Darm Inkontinenz bzw. Entleerung, deren Handhabung und Folgen. Schwierigkeiten in der Partnerschaft, ganz besonders die Sexualität, die teilweise oder gänzliche Unselbständigkeit, immer oder häufig auf Fremde Hilfe angewiesen zu sein. Ich finde, je mehr Personen über die Problematik des Querschnitts Bescheid wissen, desto besser kann die Gesellschaft damit umgehen. Nicht weggucken, sondern draufzugehen, schon Morgen kann jedem von euch das gleiche Schicksal ereilen und jegliche Hilfe von Freunden und Bekannten wird um so wichtiger. Natürlich waren bei mir Anfangs auch Ängste, Sorgen, und Zweifel vorhanden, wie ich mein neues Leben im Rollstuhl meistern sollte. Heute, nach ca. 15 Jahren Querschnitt kämpfe ich gegen anderen Sorgen und Ängste, jedoch habe ich bzw. durfte so viele schöne, teilweise unglaubliche Dinge erleben, das sich der Kampf auf alle Fälle gelohnt hat und solange die Kraft und Motivation reicht, möchte ich einige Geschichten auf meiner Homepage zum Besten geben. Im Herbst 2003 war ich 2 Monate im anthroposophischen Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke. Meine anfängliche Skepsis war unbegründet, ich war positiv überrascht von der fachlichen Kompetenz der Ärzte, Therapeuten und dem Pflegepersonal. Die Klinik ist unter "Querschnitten" nicht ganz so bekannt, ich kann sie nur bestens empfehlen, wer sich hier nicht wohlfühlt ist selber Schuld. Ein rundum wirklich nettes Team, verwendet viel Zeit für die Bedürfnisse und Probleme des einzelnen Patienten, ich denke sehr gerne an den angenehmen Aufenthalt zurück. Urlaub Das erste Jahr als Rollstuhlfahrer habe ich keinen Gedanken an Urlaub verschwendet. Viel zu sehr war ich mit meiner neuen Situation und der Reha in Bochum-Bergmannsheil beschäftigt.Die Ärzte und das Pflegepersonal waren echt super, gerne erinnere ich mich an die teils sehr lustige Zeit zurück (außer den ersten 8 Wochen) , wie sie mich behutsam auf das neue Leben außerhalb der Krankenhausmauern vorbereiteten. Sie erzählten von ehemaligen Patienten, welche Länder sie bereist hätten und was im Rollstuhl alles noch möglich ist. Tja, die fitten Paras vielleicht, ich wäre froh wenn ich ohne große Probleme ein paar Stunden im Rollstuhl sitzen könnte, das waren so meine Gedanken. Aber es kam ganz anders, aus dem hohen Tetra C3/C4 entwickelte sich ein richtiger Weltenbummler, hier ein paar der schönsten Urlaubsziele: Meinen ersten Urlaub (1990) als Rollifahrer verbrachte ich 14 Tage auf Gran Canaria, dank meinen tollen und netten Reisebegleiterinnen Regina und Helga. Im September 1994 starteten wir drei zu einer 6 wöchigen Urlaubsreise durch den Westen der USA, ein sagenhaftes Erlebnis, von dem ich heute noch zehre. Mit meinem Cousin Harald, meinem Zivi Johannes, meinem Schulfreund Martin und dessen Frau Heike und deren 3 Kinder Pia, Jenny und Marc verbrachten wir 1996 drei tolle Wochen in Norwegen. Mit meinen Angelfreunden war ich in Dänemark, Ungarn, Frankreich-Elsaß (Hausboot) und viele Male in Holland. 1997 eine Woche New York, 1999 mit Toni und Koschi (Zivi) 2 Wochen in Las Vegas und San Francisco und noch einige andere Touren. Die Bilder und Eindrücke von den verschiedenen Reisen habe ich gespeichert und rufe sie nach Bedarf ab. Als Rollstuhlfahrer nehme ich die Natur und die verschiedenen Landschaften viel bewusster wahr, jede Reise, jedes Erlebnis ist für mich etwas ganz besonderes und hat einen viel höheren Stellenwert als zu Fußgängerzeiten. Es gab Momente, da war ich so überwältigt von verschieden Eindrücken, dass ich vor Glück geweint habe. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich als Fußgänger je von solchen Emotionen überwältigt wurde. Nach meinem Unfall war ich sehr froh, dass ich vorher sehr unternehmungslustig war und einige Länder bereist hatte, diese Erlebnisse konnte mir keiner mehr nehmen, und heute, wo gesundheitlich viele Touren nicht mehr möglich sind, erfreue ich mich umso mehr an den schönen Reisen die ich als Rollifahrer unternommen habe. Vor Jahren habe ich die ca. 6000 Km nach New York auf einer Arschbacke abgesessen, heute schmerzt mich jedes Schlagloch, wenn ich zu unserem 600 m entfernten Aldi rolle. Das soll keine Beschwerde sein, nur ein kleiner Hinweis. So mancher Fußgänger hat solch tolle Erlebnisse nie gehabt, geschweige denn viele Rollifahrer. Deshalb bin ich auch mehr als zufrieden, dass ich dank meiner Familie und meinen Freunden so viele schöne Reisen erleben durfte. Das Angeln hatte ich mir natürlich auch schon abgeschminkt. Verständlicherweise, wie sollte man Angeln ohne Armfunktion. Einen Teil meiner Ausrüstung hatte ich bereits verschenkt, die konnte ich ja sowieso nicht mehr benutzen. Nie hätte ich gedacht, das Angeln noch einmal zu meinen Hobbys gehören würde. Bis mein Freund Martin mich an einem Feiertag (Vatertag) zum Angeln eingeladen hat, einige Wochen später bin ich mit einem anderen Freund (Derek) an einen Teich in unsere Nähe zum Angeln gefahren. Sonne, frische Luft und das Plätschern des Wassers wirkten beruhigend und wohltuend auf mich. So langsam erwachte mein Jagdinstinkt wieder und beim nächsten Angeln brachte ich meine eigene Rute mit, die von meinen Freunden nach meinen Anweisungen mit Schwimmer, Blei und einem leckeren Köder bestückt an die von mir gewählte Stelle im Teich ausgeworfen wurde. Sobald sich mein Schwimmer nur etwas bewegte, fing mein kleines Tetraherz wild an zu schlagen und wenn der Fisch im Netz zappelte, war es genau wie früher als ob ich den Fisch selbst geangelt hätte. Beim Angeln kommt es oft auf den richtigen Köder an, um einen tollen Fang zu erbeuten. Freunde und ich haben 1993 einen kleinen Teich mitten im Wald gepachtet, jetzt ging die Angelei erst richtig los, nun folgten Angelurlaube und Angeltouren vom feinsten. Wann hat man schon mal als Rollstuhlfahrer die Gelegenheit hat morgens um fünf Uhr an einem See zu sitzen und nachdem sich der Nebel verzogen hat einen wunderschönen Sonnenaufgang zu erleben..., oder beim Nachtangeln, am Lagerfeuer sitzend oder im Schlafsack auf der Liege oder Luftmatratze liegend den tänzelten Schwimmer auf dem Wasser oder den Sternenhimmel zu betrachten. Einmal im Jahr findet bei uns am Teich ein 24 Stunden Angeln statt, der Teich wimmelt dann von leckeren dicken Lachsforellen, Bachforellen, Karpfen usw., dann wird in verschiedenen Gruppen mit jeweils zwei Personen und eine Ruter rund um die Uhr geangelt. Es ist immer wieder ein Genuss, wenn mir einer der Jungs meine Tabletten mit seinen von Fischen, Maden und Würmern blutverschmierten Händen gibt, ein unwiderstehlicher Duft von Freiheit und Abenteuer... Mit Sicherheit sind wir nicht die erfolgreichsten Angler, dafür aber die lustigsten. Eine Familie könnten wir mit unseren Angelkünsten nicht ernähren, die würde wohl einen jämmerlichen Hungertod erleiden. Vielleicht liegt das aber auch an einer anderen Leidenschaft. Wenn wir fernab von Frau, Haus und Hof sind, erwacht in manchen von uns ein kaum stillbarer Trieb, der uns vom Wasser fern hält. Das Verlangen bzw. der Trieb ist vereinzelt so groß, dass die Angeltasche gar nicht erst ausgepackt wird und man sich hemmungslos stundenlang, teilweise nächtelang voller Erregung mit zitternden Händen dieser Leidenschaft hingibt. Kommende Aktivitäten werden nicht mehr so sein wie früher, denn leider ist am 7.4.2003 unser guter Freund Achim von uns gegangen, wir alle vermissen ihn sehr, seine Hilfsbereitschaft, sein Lächeln, sein Charme, einfach alles an ihm. Das Angler A B C Alkohol: Verbreitetes Rauschmittel. Nur mit ihm schafft es der Angler, den für sein Hobby nötigen Trancezustand zu erreichen. Gefangene Fische wachsen, wenn der Angler Alkohol zu sich nimmt. angeln: Die Kunst, eine Leine ins Wasser zu hängen und geduldig darauf zu warten, dass sich daran ein Fisch erhängt. Lotteriespiel mit wenig Hauptgewinnen und unendlich vielen Nieten. "Angeln ist eine Arbeit für solche Leute, die in der Welt nicht gar viel verdienen können oder wollen." (G.J. Wagner, 1730 a.D.) Das Wort "angeln" kann aus dem indogermanischen "anka" abgeleitet werden, wo es so viel wie "mit einem Haken fischen" bedeutet. Es kommen aber auch noch andere Stammworte in Frage wie "enka" (= törichte Arbeit), "unglo" (= ein von Insekten Geplagter), "onku" (= lautes wiederholtes Fluchen), "inka" (= Wiederholen einer lächerlichen Handlung), "onkla" (= dämonische Besessenheit) und "angla" (= Hang zu sinnlosem Tun). Biss: 1. Wahre Angler haben "Biss" - sie warten verbissen auf den Anbiss eines Fisches. (Manche sind so scharf darauf, dass man sie als Löwensenf extra scharf verwenden könnte.) 2. Der Augenblick, an welchem der Fisch den Köder schnappt (oft identisch mit dem Zeitpunkt, an dem der Angler aus dem Zustand des Dösens in den Festschlaf übergewechselt ist). 3. Der Moment, wenn ein wütender Fisch einen Angler beißt. C(K)öder nach meiner neuen Rechtschreibreform: 1. Aus der Sicht des Anglers: Unwiderstehlicher Leckerbissen für Fische (nur ist heute das Wasser zu trüb/zu klar, zu kalt/zu warm, zu schnell/zu langsam ...). 2. Aus der Sicht des Fisches: Blöder Gegenstand, hängt an einer offen sichtbaren Leine hinderlich im Wasser herum. 3. Aus der Sicht des Haifisches: Badegast an der dalmatinischen Adria. Die Leidensgeschichte des Willi L. Hi, ich bin Willi, oder das was von mir noch übrig geblieben ist. Meine Vorgeschichte: Ich hatte eine ganz normale Kindheit mit Pampers, Doktorspielen und so. Schnell erkannte ich, das es nicht nur Willi`s auf der Welt gab, sondern auch Wilhelminen, allerdings hatten die in dem Alter eher keinen besonderen Stellenwert für mich, was sich noch ändern sollte. Die Pubertät fing bei mir besonders früh an, dafür dauerte sie auch etwas länger. Mein Herrchen war schon in jungen Jahren sehr belesen, besonders für eine bestimmte Lektüre... Ja, er hatte mich anscheinend sehr lieb, täglich streichelte er mich 1-2 mal sehr intensiv, wo ich nichts gegen hatte. Im Gegenteil, ich war sehr empfänglich für die Zärtlichkeiten und ließ dies mein Herrchen auch spüren. Auch wenn mich danach immer so ein Gefühl der inneren Leere überfiel, was jedoch nicht lange anhielt. Allerdings mit 15-16 Jahren machte ich eine ganz neue Erfahrung, die meine Lebensqualität und meine Lust um ein vielfaches steigerten, ich lernte die Vorzüge weiblicher Zärtlichkeiten kennen und zu lieben. Mit 17 ging ich anscheinend in den Besitz von einem Weibchen über, die sich rührend um mich kümmerte, so das Herrchen nur noch gelegentlich Hand anlegte, vielleicht war er von den jahrelangen ausdauernden .............. etwas erschöpft und er brauchte etwas Ruhe. Als ich dann zum ersten Mal eine Einladung bekam Weibchens Wilhelmine zu besuchen, war mein Glück perfekt. Diese sich ständig häufigeren Begegnungen entfachten ein innerliches Feuerwerk in mir, was der Stärke eines Vulkanausbruchs gleichkam, meine Gefühle und Empfindungen sind mit Worten nicht zu beschreiben, es war halt wie ein Traum, einfach unglaublich. Sobald ein Weibchen, egal mit welchem Körperteil in meine Nähe kam, machte ich mich sofort bemerkbar. Es dauerte nicht lange, nach einigen Monaten kam es dann zu der schrecklichen Erkenntnis (ja, verurteilt mich ruhig) ich war süchtig, den Reizen der Weibchen verfallen auf immer und ewig. Alles war so wunderschön, ich hatte den Willihimmel auf Erden, bis zu dem Tag der mein Leben so verändern sollte. Der 19.07.88, ein warmer sonniger Tag. Ich spürte die Vibrationen des Einzylinder-Viertakters, eine angenehme laue Briese pfiff durch die luftdurchlässige Endurohose direkt zu mir (oh, what a feeling). Plötzlich, ein Sturz und von der einen auf die andere Sekunde war auf einmal tote Hose. Die Leidensgeschichte: Nach ca. 24 Stunden wachte ich mit einem gewissen Unwohlsein auf. Was war los? Irgendetwas hatte sich geändert, aber noch konnte ich beim besten Willen nichts feststellen, bis ich einen bisher mir unbekannten Gegenstand in mir bemerkte, ein dünnes Röhrchen, was mit einem Beutel verbunden war. Zu diesem Zeitpunkt habe ich das erste Mal mit einem Katheter Bekanntschaft gemacht, noch war mir nicht klar, dass ein Katheter jetzt täglich durch meine Harnröhre in die Blase einen kurzen Abstecher machen würde. Ich fühlte mich schlapp, lustlos und irgendwie einsam und verlassen, weder Herrchen noch Weibchen hatten sich mehrere Tage nicht mehr liebevoll um mich gekümmert. Warum nur? Nach einigen Tagen merkte ich, dass ich die Kontrolle anscheinend vorübergehend über mich verloren hatte, verschiedene Weibchen im blauen Kitteln kamen in meine nähe aber nichts geschah, keine Regung. War Herrchen sauer auf mich? Eigentlich hatte ich doch immer meinen Mann gestanden. Na gut, das ein oder andere Mal, war ich etwas schneller als ihm lieb sein konnte, aber nur weil ich vor Müdigkeit und Erschöpfung nicht mehr konnte. Meistens wenn er nachts zuvor in der Kneipe seinen Bierdurst gestillt hat und mich alle 30 Minuten auf der Herrentoilette über dem stinkenden mit rosa Klosteinen bestückten Urinal bis zum letzten Tropfen ausgewrungen hat. Einen Tropfen habe ich immer krampfhaft zurückgehalten und später in seine Butze wieder ausgepresst, man darf sich als Willi nicht alles gefallen lassen. Es ist wirklich kein Genuß, kopfüber den Gestank von Fremdurin und Klosteinen zu ertragen, da zog sich bei mir immer alles zusammen und Strafe muß sein. Ich finde, dass man nach solchen Strapazen einfach keine Höchstleistungen bringen kann und dass ich da am nächsten Tag schon mal eingenickt bzw. eingeknickt bin ist doch völlig normal, oder? Jedenfalls ist das kein Grund mich bereits über eine Woche keines Blickes, geschweige denn eines Griffes zu würdigen. Dann kam der Tag der schrecklichen Wahrheit, ich war tot ohne wirklich tot zu sein, kein Gefühl, keine Bewegung, ich war gelähmt, TILT, Game Over, out of order, riene ne va plus- nichts geht mehr, d. h. zu blöd um ein Loch in den Schnee zu pissen. Mein Lebensabend bestand also darin nur noch öde rumzuhängen und mir viermal am Tag einen Katheter von mehr als 30 cm schieben zu lassen, tolle Aussichten. Nichts mehr mit Vögeln, liebster Orgasmus adieu, oh weh. So vergingen trübe Wochen, Monate der grausamen Quälerei durch das ständige Kathetern, an dessen Anblick und Durchführung ich mich immer noch nicht gewöhnen konnte. Mein bester Freund in diesen schweren Zeiten war eine kleine Spritze mit Gleitmittel, die nach dem desinfizieren der Eichel in die Harnröhre gespritzt wurde um so eine bessere Reibung beim Einführen des Katheters zu gewährleisten. Zwischendurch stellte ich mir vor wie der Katheter ohne Gleitmittel quietschend und rauchend in die Harnröhre geschoben wird; allein die Vorstellung lösten Ängste und Schmerzen bei mir aus. Zwischendurch zeigte ich mich bei verschiedenen Anwendungen in meiner ganzen Pracht, das Katheterisieren verursachte häufig eine Erektion, (und bei so mancher Schülerin rote Ohren) obwohl der Eingriff alles andere als erregend war. Zum Glück stand ich nicht nur beim weiblichen Personal, sondern auch bei dem männlichen, das wäre ja sonst echt peinlich gewesen, vielleicht hätten die mich für einen totalen "Triebi" gehalten. Dabei stehe ich überhaupt nicht auf Sado-Maso Spielchen, andere Jungs zahlen dafür, dass ihnen ein Katheter geschoben wird und ich armer Willi kriege es täglich knüppeldick, gegen meinen Willen. Tja, mit mir kann man ja alles machen, ich bin ja völlig wehrlos. Nicht, dass mich die dicke Putzfrau eines Tages zum Frühstück vernascht. (Alptraum oder Wunschtraum?) Die Auferstehung: Im Oktober passierte dann endlich mal wieder etwas Aufregendes, zu meiner Freude und zum Frust der Schwestern hatte ich mein ganzes Bett vollgepisst. Spontanurin, ich wusste nicht wie, aber Hauptsache es lief was, auch wenn ich es nicht kontrollieren, geschweige denn steuern konnte. Leider hatte dieser Vorfall auch einen negativen Beigeschmack, weil die Schwestern keinen Bock hatten, dass ich mir im Rollstuhl oder im Bett die Hose vollpullerte, musste ich ab jetzt tagsüber immer einen so genannten Kondomurinal tragen, der mit Hautkleber bzw. mit einem Klebestreifen an mir befestigt wurde, was natürlich auf die Dauer eher lästig und einengend war. Von früher war ich es gewohnt, zwischendurch ein Kondom übergestülpt zu bekommen für eine kurze Zeit von 20 Minuten oder wenn ich gut drauf war bis zu 30 Minuten, aber bei bis zu 12 Stunden und mehr am Stück, da hört der Spaß auf. Den Zeitpunkt der Befreiung aus meinem Latexgefängnis habe ich immer herbei gesehnt: "oh Luft, Luft, endlich wieder Free Willi". Nachts war ich Kondomurinal-frei und mir wurde eine Flasche zwischen die Beine gelegt in die ich mein kleines Geschäft verrichten sollte. Mittlerweile fanden auch wieder die ersten zaghaften Annäherungsversuche von Herrchens Weibchen statt, auch wenn es nur ein Abklatsch zu früheren Zeiten war, es war ein neuer Anfang. Es dauerte eine gewisse Zeit bis sich was regte oder besser gesagt mich erregte, ich spürte etwas, aber alles war so gedämpft, gefiltert, das Kribbeln fehlte. Früher haben Herrchen und ich uns blind verstanden, wir waren ein gutes Team es bedurfte keinerlei Worte, wann ich meinen Mann zu stehen hatte oder wenn mir nach Streicheleinheiten war. Heute funkt es nicht mehr so zwischen uns, es besteht keine direkte Verbindung mehr zu Herrchen, natürlich weiß ich nach über 6 Monaten, dass Herrchen mich nicht links liegen lässt, weil er sauer auf mich ist, sondern er ist einfach momentan nicht mehr in der Lage sich um mich zu kümmern. Herrchen muss erst mal lernen abzuschalten, sich nicht so unter Erfolgsdruck zu setzten, als Hengst kann er sich nicht mehr bezeichnen, aber ein Wallach ist er auch nicht. Natürlich fällt es schwer mit zarten Alter von 25 Jahren die Veränderung vom begehrten und attraktiven "Sexobjekt" zum bemitleidenswerten Rollstuhlfahrer zu akzeptieren, wo der Sex doch einen so hohen Stellenwert für ihn hatte bzw. hat. Überall, im Fernsehen, in Zeitungen, auf Partys, im Freundeskreis ist das Thema Nr. 1 präsent, wie will man da abschalten. Um das ganze auf einen Nenner zu bringen, man ist jung, man ist geil, Mann (Herrchen) will "vögeln" und das nicht nur in einer Stellung, sondern ..... mit GEFÜHL und Leidenschaft, wie in alten Zeiten. Ab und zu hörte ich wie Herrchen sagte "Mein Gefühl, meine Bewegung, meine Möglichkeiten alles wurde mir genommen, warum wurde mir mein Trieb nicht genommen, das würde alles viel einfacher machen". Also Herrchen, bleib cool, lass dich fallen, schalte den Kopf ab, dein Freund Willi macht das schon. Es ist noch Leben in mir, es bedarf nur einer Möglichkeit, Herrchen davon zu überzeugen, also nur keine Scheu, dein Weibchen ist doch sehr verständnisvoll. Außerdem gibt es doch genügend Methoden mich in Stimmung zu bringen, echt Herrchen du kannst doch nicht alles verlernt haben. Als Weihnachtsgeschenk bekam ich was ganz besonderes, Wilhelmine besuchte mich nach langer Zeit mal wieder. Es war ein sehr befangenes Treffen, als ob wir uns nicht kennen würden, es war anders, nicht vergleichbar, trotzdem wunderschön. Das gab mir sehr viel Mut und Selbstbewusstsein "Willi is back", ganz so öde wie ich immer gedacht habe, musste mein Leben doch nicht sein, es ist noch Leben in mir, ich bin doch noch für etwas nütze. Welche phänomenalen und schönen Erlebnisse folgen sollten, hätte ich zu diesem Zeitpunkt nie zu hoffen gewagt, dazu kommen wir später einmal. Die Schlachtbank: Um mein Blaseninneres genauestens zu erforschen, mussten in einer anderen Klinik einige spezielle Untersuchungen gemacht werden; wer denkt sich schon was Schlimmes dabei... Als ich die ganzen Apparaturen in dem Behandlungsraum gesehen habe wurde mir auf einmal ganzen mulmig, diese ganzen Metallröhrchen erinnerten mich an die Zeiten, in denen Herrchen in der Kneipe oder im Bierwagen auf der Kirmes Bierfässer angestochen hat. Ein unfreundlicher, grobmotoriger Arzt und einige andere düster drein blickende Gestalten betraten den Raum und schnell wurde der Behandlungstisch zu einem gynäkologischen umfunktioniert und nun lag ich breitbeinig den mir sehr suspekt erscheinenden so genannten urologischen Fachkräften ausgeliefert. Mein kleines Willi-Herz raste wie wild, ich dachte mein letztes Stündlein hätte geschlagen. Folter, Schmerz, ich dachte an die Guillotine (Eichel bzw. Schnippel ab). Eine Narkose oder Kastration wurde mir freigestellt, die ich jedoch wegen der mir nicht bekannten Durchführung dankend ablehnte. Zum Glück! Herrchen, oh Herrchen tu doch was, lieg hier nicht so tatenlos herum, es geht doch hier um deinen früher so heiß geliebten Willi! In Anbetracht der mir zahlenmäßig gut ausgerüsteten Übermacht, kam für mich nur ein schneller Rückzug in betracht. Ganz nach dem Motto:" Mein Name ist Vorhaut und ich ziehe mich jetzt zurück". Doch ein Arzt hatte meine Flucht erkannt und packte mich an einem kleinen mir noch verbliebenen Hautfältchen und knallte mir kurzerhand das Metallröhrchen mit brachialer Gewalt bis zum Anschlag rein (die Bayern würden sagen: "O´zapft is"). Das war meine erste Blasenspiegelung (Cystoskopie); weitere sollten bzw. mussten folgen, doch ich habe mir damals geschworen, freiwillig niemals wieder dieses Horrorkabinett zu besuchen, was wohl auch im Sinne von Herrchen war, der sich selbst um eine adäquate Klinik für uns beide bemühte. Im September 1989 hatte ich einen stationären Termin in Bad Wildungen, auf einer urologischen Station, die Ärzte und das Pflegepersonal waren voll im Bilde, alles Spezialisten im Umgang mit defekten Willis und Wilhelminen. Die folgenden Untersuchungen fanden in einer lockeren Atmosphäre statt, kein Vergleich zu der ersten Schlachtbank, ich fühlte mich in guten Händen. Herrchen war auch begeistert und die Ärzte haben schnell sein Vertrauen gewonnen. Im Februar 1990 war ich erneut auf der urologischen Station in Bad Wildungen, ich war etwas aufgeregt, denn ich musste mich einer OP unterziehen. Mein Schließmuskel (Sphinkter) sollte geschlitzt werden, damit ich auf das lästige Kathetern verzichten konnte, leider verlief die OP nicht so erfolgreich. Trotz Spontanurin und leichtes klopfen und pressen auf die Blase, hatte ich meistens einen Restharn von über 200ml, also sollte ich weiter 1-2 tgl. Kathetern, um einem Blaseninfekt vorzubeugen. Na ja, was beschwere ich mich Herrchens Hinterteil hat voll die Arschkarte gezogen, so wie ich zu blöd zum normalen pinkeln bin, ist der zu blöde zum selbständigen kacken, Entschuldigt bitte meine derbe Ausdrucksweise, aber das ist doch echt Scheiße. Zur Darmentleerung bekommt er zwei Zäpfchen geschoben (Dulcolax und Glycylax), dann ab auf die Seite und dann heißt es, warten auf die Dinge die da kommen werden, oder auch nicht, 2 Std. ist so der Schnitt. 6 Std. in der Woche, 312 Std. im Jahr, das macht bei 15 Jahren Querschnitt 4680 Std., oder 195 Tage einfach so verkackt, eine wie ich finde beeindruckende Zahl. Die vereinzelten Einläufe und Darmspiegelungen mit den so wunderschön aufwendigen Vorbereitungen, sind bei der Aufstellung nicht berücksichtigt. Der Hintern eines Rollifahrers wird sowieso am meisten strapaziert, entweder man sitzt oder liegt drauf und wenn er mal auf der Seite etwas entlastet wird, dann wühlen zeitweise diverse Finger im Darm herum. Im Krankenhaus wird die abgeführte Menge als Strich bewertet, so ein allgemeiner Durchschnittsschiss beträgt 2-4 Strich, klick hier um dir von der Menge ein Bild zu machen. Übrigens, in der Reha in Bochum war ich Stationsmeister (bzw. Stationsch...) So, das war ein kurzer Einblick von den hinteren Regionen, jetzt wenden wir uns wieder meinen Problemen zu, weil davon gibt es auch reichlich. Durch den hohen Restharn von 200ml bildeten sich häufig Bakterien, was zu zahlreichen Harnwegsinfekten führte und meistens mit Antibiotika behandelt werden musste. Ein Tipp an alle Willis und Wilhelminen! Seit Herrchen täglich ein Glas Preiselbeersaft oder Sirup trinkt, bin ich seit Jahren von Harnwegsinfekten verschont geblieben. Bei Ikea kann man den Sirup besonders günstig erwerben. Weitere Operationen und Geschichten folgen demnächst im Kapitel: "The adventures of Willi" "Willi on tour" "Probleme von Willis Leidensgenossen" usw.